Seit gestern habe ich drei indische Schwestern durch einen alten indischen Brauch namens Raki dazugewonnen. Die Schwester bindet ein Band um die rechte Hand des Bruders und dieser ist damit gebunden, sie zu beschuetzen. Danach reicht die Schwester dem bruder eine Kokosnuss und Suessigkeiten. Indien ist halt traditionell sehr familiaer. Fremde werden grundsaetzlich als bahai oder didi (Bruder/Schwester) angesprochen, wenn sie ungefaehr im gleichen Alter sind. Aeltere Personen heissen uncle oder auntie. Wenn man dem indischen System als Auslaender folgt dann sind die immer begeistert oder zumindestens viel freundlicher. Eine feine Sache wie ich finde. Nun vom traditionellen Indien zum anderen Gesicht Indiens:
Am Sonntag hat uns ein Bekannter einer Freundin in den exclusivsten Club indores, seinen Landsitz und in ein schickes Restaurant eingeladen. Das war das erste mal das ich gesehen habe wie viel Reichtum hier auch schon existiert. War spannend und auch mal angenehm ein wenig Sauberkeit um sich zu haben, es hat sich aber fuer mich komisch, nicht wie Indien angefuehlt und als ich in die Naehe meines Slums kam, war ich froh wieder den vertrauten Dreck um mich zu haben....
Heute bin ich auf einer indischen Verlobungsfeier eingeladen und da werde ich wieder das richtige Indien zu sehen bekommen. Nun stellt sich aber die Frage was das ueberhaupt ist. Obwohl noch 80 Prozent der Menschen in einfachsten verhaeltnissen auf dem Land als Bauern leben ist der Aufschwung troztdem eine Realitaet und man sieht selbst auf dem Lande den indischen Bauern auf seinem mit heu beladenen Ochsenkarren, der mit seinem handy telefoniert. Das ist heutzutage ein normales Bild, in sich etwas verwirrend und voller Wiedersprueche, wie ich finde. Auch fuer die Inder selbst.
Wie kann man sich noch in dieser Welt von aufeinanderprallenden Gegensaetzen definieren? Die Konturen verschwimmen, es gibt kein klares arm gegen reich (klassenkampf), Kapitalismus gegen Kommunismus, the west against the rest, Christen gegen Muslims (Clash of Civilizations, Huntington), Weiss gegen Schwarz etc. Jede bipolare schwarz-weiss Malerei gibt nur ein Puzzelstueck der Wahrheit ab. Ohne die anderen Teile nutzlos, da man das Gesammtbild nicht erkennen kann, nur wenn man alle Theorien zusammennimmt und alle Betrachtungsweisen beruecksichtigt dann kann man der Wahrheit ein Schritt naeher kommen.
Genau das ist der postmoderne Ansatz der uns helfen kann die Welt besser zu verstehen.
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