Ich bin also im Buero und mache mich sogleich daran die Rattenexkremente von der Tastatur zu entfernen. Ueber mir flatter eine Taube (ja genau, Tauben im Buero). Ich schalte den Computer an und mache mich an die Arbeit. 10 Minuten spaeter: der erste Stromausfall. Misst – ich schalte also den Computer ab, der durch einen Transitor 10 min Notstrom bekommt. Nach einer halben Stunde gibt es wieder Strom und ich mache mich wieder an die Arbeit. Zehn Minuten spaeter der naechste Stromausfall, ahhhh verdammt. Ich setzte mich in die Eingangshalle und aergere mich das ich in vier Stunden ein Projekt abgeben muss. Na egal, Strom ist wieder da, ran an die Arbeit. Ich brauche Informationen aus dem Internet – das funktioniert aber leider wieder nicht. *Dong dong* es wird zum Essen gelaeutet. Etwas genervt darueber, dass hier nichts funktioniert stapfe ich die Stufen zum Ashram hoch, den Corridor entlang, vorbei am Schlafsaal und den Einzelzimmern aus denen ein starker Uringeruch kommt, bis zum Essensraum. Die Koechin strahlt mich an: Dal, Roti, Subji, Cawal gebe es. Na fein, das gleiche wie jeden Tag, aber das schmeckt wenigstens. Mein Sitznachbar grinst freundlich, ich grinse zurueck und mache mich daran mit meiner rechten Hand (die linke ist in Indien fuer andere Dinge zustaendig) Fetzen des Fladenbrotes abzureissen und sie in die Linsensuppe (cawal) zu tunken. Nach dem der ped bargia (der bauch voll) ist, stehe ich auf und nehme meinen zinnernen Teller in die Hand. Das allgemeine Entsetzen wird lautstark in Hindi verbalisiert. Nein, lass doch den Teller stehen, das machen wir! Hmm… ich fuehle mich schlecht dabei, von 80jaehrigen bedient zu werde, aber die indische Gastfreundschaft kennt da keine Kompromisse. Ich bringe meinen Teller trotzdem zur Spuele, aus Prinzip!
Mit vollem Bauch begebe ich mich wieder ins Buero, in der Hoffnung mein Projekt zu beenden. Am Computer, der einzigste der gerade hier funktioniert, sitzt Pooja, die auch gerade ein Projekt beenden muss. Misst. Ich habe nur noch eine Stunde. Pooja ist nach einer halben Stunde fertig. Ich setze mich an den Computer und beginne. *Mr. Martin! Sirji (ehrenwerter Sir) Madam come to Madam*. Na super. Die Praesidentin der NGO ist angekommen (ist ja auch noch frueh - erst 2 Uhr nachmittags) und zetiert mich gleich zu ihr. Von dem Projekt will sie dann aber nichts wissen, stattdessen die leidige Prozedur (in ihrem gebrochenen hinglish) wie jeden Tag: Any positive answers of the donor organizations- yes madam but all negative – don’t be tensioned (verflixt das waer ich auch nicht wuerdest du mich das nicht die ganze Zeit fragen!). Ich trinke mit ihr einen Chai und murmele in mich hinein (wenn ich eine Spendenorganisation haette, wuerde ich dir auch kein Geld geben). Erst in der Mittagspause hat mir der Accountant gefluestert das Madam in den letzten zwei Monaten wieder 4 lakh Rupien abgezweigt hat, ungefaehr 8000 Eur, vier Monatsgehaelter eines indischen Arztes, der Buchhalter fuegte entnervt hinzu: und jetzt muss ich das in den Buechern wieder irgendwie verschleiern.
Zurueck zum Chai (Tee). Ich sitze also im Buero der Chefin, da kommen sechs aeltere, durchaus symphatisch wirkende Herren in den Raum und nehmen Platz. Journalisten seien sie. Es folgt eine laengere Diskussion auf Hindi die in einem heftigen Streit endet. Danach wird mir erklaert das die Journalisten finanzielle Unterstützung für eine "Konferenz" haben wollten, andernfalls würde in jeder Zeitung Indores ein vernichtender Artikel über die Organisation erscheinen. Das nenne ich Pressefreiheit!
Ich moechte mich schon wieder auf den Weg in mein Buero machen, da kommt ein alter Herr ins Zimmer. Er weint und berichtet das er von seinen Kindern geschlagen wurde weil er zu viel Alkohol getrunken haette und bittet, nein fleht Madam an, ihn im Ashram aufzunehmen. Diese willigt bewegt ein und ich habe einen neuen Mitbewohner. Immer spannend bei Madam einen Chai zu trinken, denke ich und mache mich an die Arbeit.
Fortsetzung folgt!!!
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