Monday, 27 August 2007

Mein Tag im Ashram I

Ich bin nun seit fast zwei Monaten in Indien und es ist hoechste Zeit eine Zwischenbilanz zu ziehen.

Mein Tag beginnt meistens um 4 Uhr morgens. Dies muesste nicht zwangslauefig so sein, da die Arbeit erst um 10 Uhr beginnt, ist leider aber meist unausweichlich. Der Hauptgrund ist meine Wohnsituation: ich lebe in einem Ashram. Dies ist ein spiritueller Ort, wo man meditiert, in sich geht und, wenn man mittelos ist, ein Obdach im Alter findet. Man moechte also meinen, ein recht friedlicher Ort. In diesem Falle leider nicht. Unser Ashram ist weniger spirituell ausgelegt, dafuer wohnen hier mehr alte Leute.

Wenn der spirituelle Part praktiziert wird, ja genau ihr ahnt es schon, dann ist dies um vier Uhr morgens von meinem freundlichen Zimmernachbarn Guruji. Die Meditation besteht aus der monotonen stundenlangen Wiederholung eines Gebetes. Es ist das Vater Unser der Hindis und der Inhalt ist: Gott du bist gross, gib mir was ich will, Gott du bist gross, wenn man betet erfuellst du jeden Wunsch.

Ich wache also auf auf, wende mich an meinen besten Freund Oropax und der Schlaf ist gesichert…zumindest fuer die naechsten 15 Minuten. Spaetestens dann ist naemlich das ganze Ashram auf den Beinen und so ein Morgen der beginnt fuer die meisten Bewohner des Ashrams vorzugsweise mit einem ausgewachsenen Streit. Ich weiss nicht ob ihr schon ein mal jemanden auf Hindi streiten gehoert habt, aber ich kann euch sagen es ist ein “intensives” Erlebniss. Selbst der Oropax kann da nichts ausrichten. Falls selbst die schizoprene Dame die aus einer Nerveheilnanstalt kam, keinen Anlass zum Streit bietet, dann gibt es andere Dinge die den Schlaf stoeren. Sei es die Maus die sich zu mir ins Bett kuscheln will, der Papagei, der ausgerechnet seinen Morgen vor meinem Fenster beginnt oder ein Affe der zum Amuesement des Ashrams vorbeischaut.

Mit all dem findet man sich allerding nach einer kleinen Eingewoehnungsphase ab. Zum Fruehstueck gibt es jeden Morgen Poha, eine Art safranfarbender Reis mit Chillischoten. Dann wird die morgentliche Hygiene auf einem kleinen Schemel hockend mit Wassereimern durchgefuehrt. Wasser aus der Leitung gibt es hier nicht und das Wasser muss vom Nachbarn geholt werden. Danach begebe ich mich ins Buero. Nun ist es 10 Uhr und ich bin puenktlich. Die anderen nicht. Die kommen in der Regel so ein bis zwei Stunden spaeter, aus Prinzip.

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