Monday, 2 April 2007

Dr Who, der "typische" Engländer und Downshifting

Gestern habe ich mir die neuste Folge von Dr. Who angeschaut. Das ist eine berühmte Sciencefiction Serie aus England, die es schon seit 1963 gibt. Die ersten Folgen waren in Schwarzweiß und die Alliens bestanden aus billigen Pappmaché Puppen.
Heutzutage ist es aber eine aufwändig produzierte Serie mit allen Spezialeffekten, die die moderne Technik zu bieten hat. Der Protagonist nennt sich selbst "the doctor", ein Timelord der durch das Universum und die Zeit reist und allerlei spannende Situationen meistert. Das tolle an dem Doktor ist aber das er unglaublich englisch ist, für mich ist das sozusagen das Idealbild des Engländers.
Der Doktor hat meistens hübsche Reisebegleitungen bei sich, er ist aber immer sehr höflich und es gibt keine sexuellen Anspielungen whatsoever. Der Doktor ist ein sehr entspannter Kollege, der jede heikle Situation mit Humor nimmt. Anstatt einer enormen Plasmakanone hat er nur einen "sonic screwdriver", also einen hoch entwickelten Schraubenzieher und so werden auch alle Probleme gelöst, gewaltlos und mit Raffinesse. Diese subtile Art macht den Doktor gerade so englisch, es wird Contenance bewahrt nicht blindlings drauf geschlagen sondern überlegt gehandelt. Selten sieht man den Doktor rennen und immer ist er gut gekleidet (meist im Anzug) und höflich. Aber der Doktor hat auch eine Tiefe die zuweilen etwas düster durchscheint.

So scheint mir der Engländer auch zu sein, freundlich die Contenance unter jedem Umstand bewahrend, aber auch latent depressiv.
Das soll mit dem ganzen Druck zu tun haben, der sich seit der Ära Magaret Thatchers in England ausgebreitet hat. Die Hauptstadt des Kingdoms versinnbildlicht das am Besten- es ist eine getriebene, hektische Metropole. Der normale Arbeitstag umfasst mindestens 13 Stunden und dann muss man noch eine Stunde nach Hause pendeln um das durch die Mortgage finanzierte Haus zu erreichen.

Mein Mitbewohner Sam sah sich in den letzten Wochen wieder völlig dem Leistungs- Prestigedenken ausgesetzt und ist zum Doktor gegangen. Der hat ihm nach einem zehnminütigen Gespräch Antidepressiva verschrieben- ein Indiz für ein schlechtes Gesundheitssystem namens NHS und einer Mentalität zur Symptombekämpfung wobei die richtige Krankheit ignoriert wird.
Nun gibt es aber eine Gegenbewegung: das Downshifting. Es ist nicht das revolutionäre Aussteigersyndrom der sechziger Jahre, es ist eher etwas Persönliches. Einen Gang runterschalten wieder Lebensqualität hinzugewinnen und das Leben wieder genießen können, das sind die Ziele dieser Bewegung. Ob es den gesellschaftlichen Wandel der Ära Thatcher umkehren kann bleibt zu bezweifeln.
Der "Doktor" schraubt sich jedenfalls mit seiner lässigen Art und seinem "Sonicscrewdriver" durch seine Probleme. Es wäre wünschenswert die getriebenen Karriereseelen auch mit dieser Lässigkeit durchs Leben schreiten zu sehen- dann sind auch nicht mehr so viele Antidepressiva nötig...

No comments: